Bezogen auf den Menschen muss die Frage anders herumgestellt werden, denn der Mensch ist es, der den Netzausbau notwendig macht und die Energiewende ist ein Umweltschutzprojekt für unsere Zukunft. Dies sollte man nicht vergessen. Niemand ist bereit, auf Strom zu verzichten, denn Krankenhäuser, Wasserwerke, Kläranlagen und Müllverbrennungsanlagen müssen laufen. Unser Leben ist ohne Strom so nicht vorstellbar. Gleichzeitig möchte niemand einen Strommast in seinem Garten haben oder neben einem Umspannwerk wohnen. In Deutschland gibt es aber Regelungen, wie nah eine Stromleitung an eine Siedlung herangebaut werden darf. Paradoxerweise gibt es aber keine Regelung, wie nah eine Siedlung an eine bestehende Leitung gebaut werden darf. Bezogen auf die Umwelt ist das ein schwierigeres Thema, denn große Infrastrukturmaßnahmen gehen immer einher mit Eingriffen in die Umwelt.
Oft sind hier auch Gebiete betroffen, die eigentlich geschützt sind und geschützt gehören. Aktuell wird zum Beispiel die Fulda-Main-Leitung mitten durch die Rhön, ein Biosphärenreservat, geplant. Der Gesetzgeber hat für geschützte Flächen, die dennoch unbedingt benötigt werden, vorgesehen, dass sogenannte Ausgleichsflächen erstellt werden müssen. Beim Stromnetzausbau stellt sich aber doch die Frage, ob hier nicht das große Ganze, das letzten Endes auch dem Klimaschutzziel, der daraus resultierenden Energiewende, und somit dem Umweltschutz geschuldet ist, im kleineren Maßstab dem Umweltschutz der einzelnen Flächen übergeordnet bleiben sollte. Erwärmt sich unser Klima weiter, gibt es am Ende vielleicht keine schützenswerten Flächen oder Arten mehr.