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Ehemalige chemische Fabrik Lampertheim-Neuschloß

HIM GmbH Lampertheim-Neuschloß, Hessen
Im südhessischen Lampertheim saniert das Land Hessen seit 2003 auf einer Fläche von rund 83.000 m² eine der größten bewohnten Altlasten Deutschlands.

In dem heute dicht besiedelten Wohngebiet war der Boden als Hinterlassenschaft der ehemaligen chemischen Fabrik Neuschloß (unter anderem Produktion von Soda, Schwefelsäure, Chlorkalk, Salzsäure und Kunstdünger) hochgradig mit Dioxinen und Furanen, Arsen, Blei, Thallium und weiteren Schwermetallen kontaminiert. Arsen gelangte in hohen Mengen in den Grundwasserleiter und wurde mit dem Grundwasserstrom in einer mehrere hundert Meter langen Schadstofffahne in Richtung auf ein nahegelegenes Wasserwerk verfrachtet. 

betroffene Grundstücke
Mio
Grundwasser gefördert & gereinigt
Mio t
kontaminierte Böden abgetragen & entsorgt

Wir unterstützen unseren Kunden mit wesentlichen Projektsteuerungsleistungen und erbrachten nahezu alle Planungsleistungen - von der historischen Erkundung des Standorts bis hin zur Bauleitung und -überwachung der Boden- und der Grundwassersanierung. Außerdem führten wir alle geotechnischen Begutachtungen sowie Planungen im Spezialtiefbau, wie Gründungs-, Verbau- und Unterfangungsmaßnahmen durch und bauten ein standorteigenes Datenbank- und Geoinformationssystem auf. Begleitend zu den Baumaßnahmen maßen wir die Erschütterungen und überwachten den Schutz der Anwohner im Hinblick auf Emissionen und Immissionen. Die Planungsleistungen für die Bodensanierung auf den Wohngrundstücken berücksichtigten komplexe genehmigungsrechtliche Aspekte genauso wie die Beteiligung der Öffentlichkeit. 

Ein wesentlicher Grund für den Projekterfolg ist die konsequent umgesetzte und ehrliche Beteiligung der Öffentlichkeit an allen Planungs- und Umsetzungsschritten.
Dr. Wolfgang Balzer, Projektmanager

Auf den 126 betroffenen Privatgrundstücken und angrenzenden öffentlichen Flächen wurden alle nicht unterkellerten Nebengebäude sowie die Einfriedungen und Gärten rückgebaut und nach der Bodensanierung wiedererrichtet. In neunjähriger Bauzeit wurden bis 2012 rund 190.000 t kontaminierte Böden und mit diesen unter anderem etwa 50 t Arsen abgetragen und entsorgt. Dabei hatten Arbeits- und Anwohnerschutz stets höchsten Stellenwert. 

Unser Geoin­for­ma­ti­ons­sys­tem greift auf mehr als 200.000 Analy­se­da­ten und die photo­gram­me­tri­sche Auswertung der heutigen Nutzungs­si­tua­tion zurück­.
Roland Strauß, EXPERTE FÜR GEOIN­FOR­MA­TI­ONS­SYS­TEME (GIS)

Die Grund­was­ser­kon­ta­mi­na­tion wird seit 2003 entsprechend unserer Planung durch Entnahme und on-site Aufbereitung von Grundwasser aus dem Schadenszentrum und der Fahnenspitze saniert. Das gereinigte Wasser wird dem Aquifer zugeführt, wobei der Grenzwert der Trinkwasserverordnung streng beachtet und eingehalten wird. Seit Beginn der Sanierungsmaßnahme wurden bei einem stündlichen Grundwasserumsatz von rund 32 m³ mehr als 4 Mio. m³ Grundwasser gereinigt und dabei rund 850 kg Arsen aus dem Grundwasser entfernt.

Gemeinsam mit der Universität Heidelberg erprobten wir ein neues Verfahren, das den Grundwassersanierungszeitraum deutlich verkürzen soll. Im Rahmen eines Pilotversuchs führten wir eine Phosphatlösung über Infiltrationsbrunnen dem Grundwasser zu. An die Bodensedimente gebundenes Arsen wurde dort erfolgreich mithilfe des Phosphats mobilisiert und abstromig wieder über die laufende hydraulische Maßnahme mit dem Grundwasser entnommen.

Die Ergebnisse aus dem Pilotversuch haben das große Potential des Mobilisierungsverfahrens unter natürlichen Bedingungen bestätigt, so dass das Verfahren in Abstimmung mit den zuständigen Behörden mit Unterstützung durch die Universität Heidelberg seit Anfang 2019 großtechnisch umgesetzt wird. Die Entnahme des belasteten Grundwassers zur anschließenden Abreinigung in der bestehenden Wasseraufbereitungsanlage erfolgt derzeit über 5 Förderbrunnen im Schadenszentrum mit insgesamt rund 20 m³/h. Die Wasseraufbereitungsanlage wird derzeit erweitert, so dass zukünftig die Phosphatdosierung und damit der Arsen-Austrag deutlich erhöht werden.

Der große Erfahrungsschatz unserer Experten und die enge Bindung zu unseren Netzwerkpartnern ermöglichen uns die Umsetzung dieses bislang einmaligen Verfahrens.
Christian Knöchel, technischer Projektleiter
Wolfgang Balzer Wolfgang Balzer
Innovative Sanie­rungs­tech­ni­ken führten uns zu einem nach­hal­ti­gen Sanie­rungs­er­folg.

Wussten Sie schon?

Seit fast 20 Jahren betreuen wir die HIM GmbH bei der Sanierung dieser komplexen Altlast und decken dabei die Lph. 1 - 5 des Leistungsbilds für Projektmanagementleistungen der AHO-Fachkommission und die Lph. 1 - 9 der HOAI ab.

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Veröffentlichung
Lampertheim-Neuschloß – 8 Jahre Groß­bau­stelle im Wohngebiet
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YouTube
Video
https://www.youtube.com/watch?v=04-kEt8sEzA
Die HIM GmbH hat einen empfehlenswerten Film über die Altlastensanierung in Lampertheim gedreht. Hier geht es zum Video.
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Joern Mueller Image Joern Mueller Image
Unser Expertenteam beherrscht auch komplexe Grundwasserschadensfälle und sorgt für die wirtschaftliche Sicherung oder Sanierung.
Jörn Müller
Experte Grundwassersanierungen
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