Accessibility.Screen_Reader_H1

Grundwassersanierungsstrategien für komplexe Standorte

von Arnold Pettera Technischer Spezialist
Komplexe Grund­was­ser­verunreinigungen erfordern große Fachexpertise: Auswahl und Struk­tu­rie­rung der Sanie­rungs­ziele müssen überprüft, die räumliche und/oder zeitliche Kombination von Tech­no­lo­gien genau angepasst und geeignete Kenn­zah­len zur Bewertung des tatsäch­li­chen Sanierungsfort­schritts festgelegt werden.

Komplexe Grund­was­ser­stand­orte, wie z. B. solche mit dichten nicht­wäss­ri­gen Flüs­sig­kei­ten, oder solche, die anspruchs­volle hydro­geo­lo­gi­sche Bedingungen mit stark schwan­ken­den hydrau­li­schen Leit­fä­hig­kei­ten aufweisen, führen zum Teil jahr­zehn­te­lang zu einer Verun­rei­ni­gung. Der konven­tio­nelle Ansatz, eine Sanie­rungs­tech­no­lo­gie auszuwählen und anzuwenden, bis die Schad­stoff­kon­zen­tra­tio­nen im Grundwasser die maximalen Schad­stoff­ge­halte erreichen, hat sich bestenfalls als ineffizient und in vielen Fällen für komplexe Standorte als vergeblich erwiesen.

Festlegung von Sanie­rungs­zie­len

Maximale Schad­stoff­ge­halte unterschreiten und eine Nutzung wieder zu ermöglichen - das sind seit Langem die erwarteten Standards für die Sanierung von Grund­was­ser­kon­ta­mi­na­tio­nen. Im Laufe der Zeit haben die Aufsichts­be­hör­den und Verant­wort­li­chen jedoch fest­ge­stellt, dass die Sanierung komplexer Grundwasserkontaminationen oft viel länger dauert als ursprüng­lich angenommen. Dies legt die Vermutung nahe, dass die gewählte Technologie ab einem bestimmten Punkt in ihrer Wirksamkeit einge­schränkt sein könnte. Wenn die bestehende Sanierung die Prüfwerte nicht erreicht, sollte daher das Sanierungsverfahren überdacht werden. 

Wir müssen Anreize für Sanie­rungs­maß­nah­men an komplexen Grund­was­ser­stand­or­ten schaffen und gleich­zei­tig die Heraus­for­de­run­gen an diesen Standorten erkennen, ohne das Endziel der Sanierung aus dem Blick zu verlieren.
Arnold Pettera, Technischer Spezialist

Komplexe Verunreinigungen erfordern unter­schied­li­che Behand­lungs­me­tho­den

Eine große Herausforderung bei der Sanierung von Grundwasser an vielen komplexen Standorten besteht darin, dass der Unterschied zwischen der Anfangs- oder Restschadstoffkonzentration und den Sanierungszielwerten oft viele Größenordnungen auseinander liegt. Der Unterschied zwischen einer 50 mg/l Konzentration im Grundwasser und 5 µg/l beträgt beispielsweise vier Größenordnungen, was eine Reduzierung der Konzentrationen um 99,99% erfordert. Hinzu kommt, dass große Mengen an Schadstoffmassen oft in Böden oder Gesteinshorizonten mit sehr geringer hydraulischer Leitfähigkeit eingeschlossen sind, so dass sie nur sehr schwer zugänglich sind.

In der Vergangenheit konzentrierten sich Machbarkeitsstudien oft auf eine einzige Sanierungstechnologie. Jede Technologie hat jedoch einen optimalen Wirkungsbereich, der von den vorhandenen Konzentrationen und standortspezifischen Faktoren abhängig ist. Eine einzelne Sanierungsmaßnahme kann daher oft nicht allein die Endziele für alle Konzentrationsbereiche über den gesamten Bereich der geologischen Bedingungen an einem komplexen Standort kostengünstig erreichen. Stattdessen bedarf es häufig technologieübergreifender Abhilfemaßnahmen.

Realis­ti­sche Zielsetzung für kombinierte Behand­lungs­me­tho­den

Wissen­schaft­ler und Fachleute betonen, dass für verschie­dene Bereiche eines Standortes (z. B. hoch­kon­zen­trier­tes Vorkommen oder verdünnte Fahne) UND für verschie­dene Phasen der Sanierung unter­schied­li­che Tech­no­lo­gien benötigt werden. Um realis­ti­sche Sanie­rungs­fort­schritte zu erzielen sind daher konkrete, funk­tio­na­le Ziele notwendig. Diese vorläufigen, funk­tio­na­len Ziele messen die Leistung einer bestimmten Maßnahme während ihrer gesamten Nutzungs­dauer und liefern Anhaltspunkte dafür, wann sie durch eine andere Maßpnahme abgelöst werden sollte. 

Schad­stoff­emis­sion als Messgröße

Eine erfolgsentscheidende und zugleich schwierige Aufgabe für den Umwelt­ex­per­ten besteht demnach darin, die notwendigen und ange­mes­se­nen Sanie­rungs­ziele festzulegen und einen quan­ti­fi­zier­ba­ren Weg zu den Sanie­rungs­zie­len aufzu­stel­len. Die Sanie­rungs­zeit­räume sind besonders schwer abzu­schät­zen, und die Schad­stoff­be­las­tung im Untergrund ist sehr schwer zu bestimmen. Hinzu kommt, dass die Konta­mi­na­ti­ons­menge oft nicht in direktem Zusam­men­hang mit dem Risiko einer Gefährdung steht. Vielmehr  hängt die Gefährdung von Mensch und Umwelt von den Ausbreitungswegen der Schadstoffe und der tatsächlichen Exposition ab. Der Schad­stof­f­e­in­trag und die damit verbundene Dynamik der Abflüsse (d. h. die Eindämmung oder Verrin­ge­rung der Abfluss­werte) können auf unter­schied­li­che Weise bewertet und überwacht werden und eine gute Grundlage bilden, um den Erfolg der Grund­was­ser­sa­nie­rung zu messen.

Arnold Pettera Image Arnold Pettera Image
Wir müssen realis­ti­sche Sanie­rungs­ziele setzen, um Risiken zu reduzieren und einen messbaren Weg zu den Sanie­rungs­zie­len zu finden.
Tätig­keits­fel­der

Projekte & Einblicke