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Geotech­ni­sches Labor: Verei­sungs­la­bor in Bochum

von Peter Kuhnigk Bereichsleiter
Das Verei­sungs­la­bor von CDM Smith in Bochum ist etwas Besonderes, denn weltweit gibt es nur sehr wenige dieser Art. Im Interview gibt Peter Kuhnigk, der seit 1992 bei CDM Smith arbeitet, spannende Einblicke in die Welt der Boden­ver­ei­sung und erklärt unter anderem, was ein Verei­sungs­la­bor ist, wer dort arbeitet und was das in einem Verei­sungs­la­bor untersucht wird.

Was ist ein Verei­sungs­la­bor?

Kuhnigk: Streng genommen handelt es sich bei einem Verei­sungs­la­bor um ein Geotech­ni­sches Labor. Das Besondere hierbei ist jedoch die Temperatur, bei der wir arbeiten, denn wir arbeiten bei Tempe­ra­tu­ren bis zu -20 Grad Celsius. Unser Labor selbst hat verschie­dene begehbare Klima- und Kälte­kam­mern, in denen wir die Versuche leiten? Die typischen Tempe­ra­tu­ren der Klima­kam­mern sind -10 Grad Celsius und -20 Grad Celsius, aber wir haben auch einen sogenannten Kälteraum, der bei +5 Grad Celsius betrieben wird.

Was wird in einem Verei­sungs­la­bor untersucht?

Kuhnigk: In einem Verei­sungs­la­bor werden Festig­keits­ver­hal­ten untersucht, denn mit abnehmenden Tempe­ra­tu­ren bzw. im gefrorenen Zustand ändern sich die physi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten der Böden je nach Sätti­gungs­grad und dieser ist entschei­dend für die Unter­su­chung. Aus diesem Grund braucht man Wasser im Boden, denn das Gestein selbst gefriert nicht. Das bedeutet, dass Wasser im Boden gefriert, sich die Festig­kei­ten erhöhen und die Wasser­durch­läs­sig­keit verringert. So kann selbst Sand annähernd eine Festigkeit von Beton erreichen.

In unserem Verei­sungs­la­bor haben wir schon Bodenproben aus der ganzen Welt untersucht u. a. aus Australien, Singapur, Kanada, USA, Russland und Belgien. Wir haben auch den Boden rund um den Schiefen Turm in Pisa untersucht. Bei einer Boden­pro­be­ent­nahme werden Metall- oder Kunst­stoff­hül­sen in den Boden geschlagen. Diese kommen dann zur Unter­su­chung zu uns ins Verei­sungs­la­bor und werden dann in den Klima­kam­mern auf die typischen Tempe­ra­tu­ren -10 Grad Celsius und -20 Grad Celsius eingefroren. Der weitere Bauablauf, wie beispiels­weise die Berechnung des Frost­kör­pers, ist von diesen Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen abhängig.

Was wäre ein Beispiel für eine Boden­ver­ei­sung?

Kuhnigk: Eine Boden­ver­ei­sung kommt beispiels­weise im Tunnelbau vor. Um den Boden zu gefrieren, werden sogenannte Gefrier­lan­zen in den Boden einge­trie­ben, die mit einer Salzlösung durchspült werden. Das Material gefriert auf -35 Grad Celsius und friert damit zugleich den Boden. Eine weitere Möglichkeit ist mit flüssigem Stickstoff zu arbeiten, der für eine noch höhere Festigkeit sorgt. Mit diesem Verfahren erreicht man Tempe­ra­tu­ren um -190 Grad Celsius. Eine höhere Festigkeit wird beispiels­weise gefordert, wenn über dem Tunnel beispiels­weise noch Gebäude stehen. Mit dem Prinzip der Boden­ver­ei­sung kann man somit für eine hohe Festigkeit im Boden sorgen, ganz ohne Beton. Auch schwere Lasten von über­lie­gen­den Gebäuden kann der Boden aushalten. Wir berechnen somit beispiels­weise die Dicke des Frost­kör­pers, das heißt, wie stark der Frost ausgeprägt sein muss, um die Last zu tragen.

Welche Ausbildung braucht man, um in einem Verei­sungs­la­bor zu arbeiten?

Kuhnigk: Eine spezielle Ausbildung, um in einem Verei­sungs­la­bor zu arbeiten gibt es nicht. Unser Team besteht aus Chemisch-Technischen Assistenten, Physi­ka­lisch-Technischen-Assistenten, Baustoff- und Werk­stoff­prü­fern.

Hier steht ein Zitat zum Vereisungslabor in Bochum.
Peter Kuhnigk Bereichs­lei­ter
Tätig­keits­fel­der
Fact Sheet
Mehr zum Thema Bodenvereisung können Sie in unserem Fact-Sheet lesen.
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Welche Versuche gibt es in einem Verei­sungs­la­bor?

Kuhnigk: Wenn wir einen Verei­sungs­auf­trag haben, dann nehmen wir verschie­dene Unter­su­chun­gen mit dem Boden vor. Neben Spezi­al­ver­su­chen untersuchen wir die Festigkeit oder die Verformung. Festig­keits­un­ter­su­chun­gen sind einaxiale Druck­ver­su­che. Hier wird die Bodenprobe in eine Prüfpresse gespannt. Zwei Traversen fahren anschlie­ßend gegen die Bodenprobe und zerdrücken diese. Mit diesem Versuch wird die Festigkeit des Bodens ermittelt. Darüber hinaus führen wir sogenannte Kriech­ver­su­che durch. Bei Kriech­ver­su­chen wird die Bodenprobe ebenfalls eingespannt und dann einer statischen Last ausgesetzt. Bei diesem Versuch bleibt die Bodenprobe dann über mehrere Tage unter dieser Last. Durch den Versuch werden Verfor­mun­gen des Bodens durch Lasten ermittelt. Neben diesen Versuchen gibt es auch Spezi­al­ver­su­che, sogenannte Frost­he­bungs­ver­su­che, oder auch Frost­druck­ver­su­che.

Die Frost­he­bungs­ver­su­che werden nicht bei Minus­tem­pe­ra­tu­ren durch­ge­führt, sondern bei einer Temperatur von +5 Grad Celsius. Die Bodenprobe wird auf einen Sockel gestellt, der auf +5 Grad Celsius gewärmt ist. Auf die Bodenprobe kommt dann eine Kappe in der Größe der Bodenprobe. Diese Probe wird gekühlt. Somit wird der Boden von oben nach unten gefroren. Ein Beispiel hierfür sind Frost­schä­den in der Straße bzw. im Asphalt. Bei dem Versuch ist somit der obere Teil gefroren und der untere ungefroren. Dies führt dazu, dass sich in der mittleren Schicht sogenannte Frostlinsen bilden. Diese Frostlinsen dehnen sich aus und der Boden hebt sich bzw. bricht auf. Diese Hebung messen wir im Labor. Wenn der Boden sich nicht einfach heben kann, wie in der Simulation, spricht man von Frostdruck. Durch den Versuch wird somit simuliert wie sich der Boden durch Gefrieren ausdehnt und sich verhält, wenn er gegen etwas gedrückt wird. Im Feld könnte das beispiels­weise ein Fundament, eine Bodenplatte oder eine Schale von einem Tunnel sein. Dieser Versuch ist sehr wichtig für das weitere Bauvorhaben, denn Frost­schä­den können große Schäden verursachen.

Was ist das Besondere am Verei­sungs­la­bor von CDM Smith?

Kuhnigk: Unser Allein­stel­lungs­merk­mal ist unsere Erfahrung. Seit mehr als drei Jahrzehnten setzen wir Boden­ver­ei­sun­gen ein und untersuchen Bodenproben von der ganzen Welt. Bei uns bekommt der Kunde alles aus einer Hand, wobei unser Know-how auf jahrelanger Erfahrung beruht.